Montag, 31. Dezember 2018

Jahresrückblick 2018


2018 - mein ganz persönlicher Jahresrückblick

Im September 2017 hat mich der Chef in mir mich auf die Auswechselbank gesetzt! Ich durfte nicht mehr mitspielen, entschied mein Gehirn und blockierte Körper, Geist und Seele. Arbeiten konnte ich nicht mehr. Mein Körper gehorchte mir nicht, mein Gehirn sendete nur noch ein piepsendes, leeres, grauweisses Sendesignal als Lebenszeichen. Die ersten Wochen verbrachte ich zu Hause, unfähig zu glauben, dass ich zu nichts mehr konnte! Verzweifelt, traurig, kraftlos. Anfang des Jahres - 3 Monate später - war ein wenig Energie zurückgekehrt. Und der Wille, wieder anzugreifen! In den folgenden Monaten habe ich habe alles getan, was mir Ärzte, Bekannte, Freunde oder Feinde zugerufen haben - ich klammerte mich an jeden Strohhalm und habe sämtliche Ratschläge befolgt, mit dem einzigen Ziel: so schnell wie möglich wieder richtig auf die Beine zu kommen! Ich bin viel spazieren gegangen, habe mich im Yoga versucht, angefangen zu singen und zu stricken, habe das schwimmen für mich entdeckt, autogenes Training, Meditation und Progressive Muskelentspannung trainiert, Mandalas ausgemalt und geübt nichts zu tun. Ich war auf Achtsamkeitsseminaren, habe Podcasts zum Thema gehört und viel gelesen. Ich habe täglich ins Grüne geguckt, meinen Engel gesucht und unterschiedliche Tagesstrukturen ausprobiert.  Vieles versucht - das Meiste wieder verworfen, haben mich in der schlimmsten Zeit zwei Verse, die jahrelang in der Küche meiner verstorbenen Lieblingstante hingen, durch das Tal getragen!

MANTRAS HABEN MICH DURCH DAS TAL GETRAGEN
Mein Gehirn - in Jahrzehnten auf Hochleistung getrimmt, war schlichtweg unfähig, NICHTS zu denken. Voller Verzweiflung bin ich gelaufen, gelaufen und gelaufen und habe dabei versucht Ruhe in den Kopf zu bekommen. Irgendwann schossen mir diese Verse in den Kopf - und ich sagte sie  immer und immer wieder - wie Mantras vor mir her. Und irgendwann gewann ich den Kampf mit meinem Gehirn, es wurde mir wieder Untertan und entspannte wenn ich meine Sprüche aufsagte.....  Ich habe meine Tante nie gefragt, warum diese Sprüche in ihrer Küche hingen. Heute glaube ich, weil ich sie irgendwann brauchte...

WENN DIR DAS LEBEN ZITRONEN SCHENKT - MACHE LIMONADE DRAUS
Im Oktober `17 ereignete uns ein Wasserschaden! Nachdem wir erst dachten, der Schaden sei absehbar, diagnostizierte ein hinzugezogener Gutachter den SuperGAU! Der komplette Boden im kompletten Laden musste raus! Mindestens 5 Wochen musste das Refugio geschlossen werden! Die Aterie - die meine kleine Familie und etliche Mitarbeiter finanziell am Leben erhält, sollte abgebunden werden! Eine absolute Horrormeldung - dank meiner Sprüche und dem gelernten "abschalten" konnte ich in der Krise (nach ersten Heulattacken) die Ruhe bewahren, wir profitierten von der umsichtigen Versicherung und der guten Beratung unseres Freundes und Vermögensberaters und ich konnte in Ruhe mit den Top-Handwerkern einen Sanierungsplan entwickeln, der Christian und mir noch ermöglichte, das erste Mal in den letzten 13 Jahren einen 3-wöchigen Urlaub zu planen! 


 So erwies sich dieser Schicksalsschlag als der beste Schlag der vergangenen Jahre und schenkte Christian und mir 3 unbeschreiblich glückliche Urlaubswochen in Frankreich mit dem Wohnmobil! Die Reise durch die Normandie auf den Spuren des D-Days ließ uns dabei noch einmal Demut spüren und der Besuch des amerikanischen Soldatenfriedhofes in Colleville-sur-mer war eines der emotionalsten Momente meines Lebens!  Wir genossen es sehr - das erste Mal seit 16 Jahren wieder als Paar und nicht als Eltern zusammen zu sein .... ein schönes, unbeschreibliches Gefühl.
In der Mitte unseres Urlaubes konnten wir dann auch endlich wieder Evi unsere Tochter in die Arme schließen - ihr 3-wöchiger Sprachurlaub in Paris endete und unsere bislang längste Trennung war  überstanden! Gemeinsam verbrachten wir die zweite Hälfte dieser Ferien in der Provence - an meinem Herzenssee Lac du Sainte Croix - und ich trage noch jetzt jeden Schwimmzug in dem türkisen Paradies in meinem Herzen!

ES GIBT NOCH VIEL ZU LERNEN
Nach dem genialen Urlaub, bin ich wie geplant eingestiegen in die rumorende Refugio-Welt..... der Plan, jeden Tag höchsten 6 Stunden zu arbeiten ging nicht auf.... ich kann nicht halb da sein, es geht nur ganz..... aber vielleicht lerne ich das noch...
Ich muss noch ganz viel lernen. Erst einmal, mich so nehmen wie ich bin. Mal voller Power, übersprudelnd, nicht Maas halten könnend - dann wieder zurückgezogen, Kräfte sammelnd, zweifelnd und sich selbst fordernd.... Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis: ich kann nicht jeden Tag gleich geben. In den vergangenen Jahren habe ich meinen Körper behandelt wie den eines Hochleistungssportlers. Ich musste im Jahr 2018 lernen, die Signale zu erkennen - zu hören wann ich müde bin,  zu spüren, wenn ich Ruhe brauche.... ich bin da auf einem gutem Weg und habe schon gelernt, mich ohne schlechtes Gewissen mal auszuruhen! Ich kann mich dann auf die Couch setzen und "Tüll und Tränen" schauen - eine völlig sinnfreie Sendung über Frauen die ihr ideales Brautkleid suchen. Ich verdrücke dabei tatsächlich ein paar Tränen vor Rührung - ganz ohne dabei meine entspannte Entspannungsposition zu verändern und nach 30 Minuten habe ich genug Energie gesammelt um wieder voll ins Leben reinzuspringen! 30 Minuten, die ich mir all' die Jahre zuvor nie genommen habe. 

2018 HAT MEINEM KÖRPER EINE STIMME GESCHENKT
Von daher war 2018 eher ein gutes Jahr für mich. Es hat mir die Begegnung mit mir selbst geschenkt. Und Zeit. Zeit die ich mir früher nie genommen habe. Ich bin noch lange nicht am Ziel und ständig stehe ich an Kreuzungen, von denen Straßen abgehen, die mit bunten, blinkenden Straßenlaternen geschmückt sind, am Wegesrand wachsen leuchtende Bonbon-Blumen und süße Grinsekatzen blinzeln mir mit ihren betörenden Augen zu während durchsichtige, leicht schimmernd-glitzernde Schmetterlinge über mich hinwegschweben und ihre Flügel singen ein Lied: "Kati, hier ist es toll, hier ist ordentlich was los, Du verpasst was, wenn Du nicht abbiegst in unsere Straße...., Kati, schlafen kannst Du morgen noch, jetzt nutze die Gunst der Stunde und tanze mit uns durch die Nacht......". Es ist wahrscheinlich wie bei einem Junkie, nur dass ich nicht nach Drogen strebe, sondern einfach total gerne etwas aktiv tue.... und das ich alles wichtig finde.... und mich selbst dann darin verliere...
Nachdem ich also 2018 gelernt habe, auf die Stimme in meinem Körper zu hören (und nicht mehr nur auf die Schmetterlinge), heißt die Devise für 2019: darauf zu achten, dass die Stimme im Körper nicht wieder leise und von den Schmetterlingen übertönt wird! Das passiert nämlich ganz schnell! Aber ich habe ja ein ganzes Jahr unterschiedlichstes Handwerkzeug ausprobiert, und die 4 für mich wichtigsten Dinge, werde ich mir als Vorsatz für das Jahr 2019 nehmen: 

MEINE 4 VORSÄTZE FÜR DAS JAHR 2019
 
1) Mit dem Hund spazieren gehen
2) Atmen
3) Achtsam sein
4) Positiv Denken

Falls ihr jetzt denkt, "das ist ja wohl einfach - buh - das zählt nicht", nehme ich Euch mal exklusiv mit in meine Gedankenwelt....




1.) Jeden Tag bewusst einmal mit dem Hund spazieren gehen!
Nicht mehr! Nur spazieren gehen, ohne Handy!!! Also: mit dem Hund und spazieren gehen und nicht das Handy benutzen, keine WhatsApp schreiben, keine todo-Liste ergänzen, kein Projekt markieren, keinen Termin blocken, nicht auf fb gucken und auch nicht schauen, ob einer dringend angerufen hat! Noch nicht einmal auf das Handy schauen, um mich zu vergewissern, dass der Ton eingeschaltet ist, FALLS mich jemand versucht zu erreichen... ich darf bei dem Spaziergang das Handy noch nicht einmal in der Hand halten! Auch für kein Foto unterwegs - für meine "good feeling" - Liste, oder für die Dokumentation über meinen geliebten Fischreiher! Noch nicht mal ein Foto für Liebling Unna! 20-30 Minuten nur für mich - den Kopf frei bekommend, zur Not meine Verse aufsagen, ins blaue oder grüne schauend und merken, wie unwichtig eigentlich alles ist.... 

2.) Atmen!
Jaaaa - atmen hört sich so einfach an! Ist es ja eigentlich auch. Aber habt ihr schon mal richtig geatmet? Macht mal die Augen zu, jetzt atmet ihr langsam, bewusst mit geschlossenem Mund aus und entspannt dabei... alles wird schlapp....ihr atmet aus, bis dass auch der Bauch ganz ausgepresst und eingezogen ist, die Schultern hängen, der Kopf fällt durch die erschlaffte Nackenmuskulatur nach vorn und ihr verharrt noch einen kurzen Moment, bevor ihr den Körper wieder mit Luft verwöhnt....die Muskeln langsam angespannt, die Nasenflügel weiten sich, ebenso wie der Brustkorb... nach wenigen Atemzügen mit geschlossenen Augen geht es mir gut - viel besser als vorher! Probiert es mal aus! Ich möchte mir jeden Tag in 2019 eine Atempause gönnen!

3.) Achtsamkeit! 
Durch meine täglichen Spaziergänge und meinen Kampf, endlich mal produktionslos zu sein, bin ich achtsam geworden. Auf einmal habe ich einen Käfer gesehen, der den beschwerlichen Weg über die lehmige Straße im Bornekamp angetreten hatte, die farbigen Blätter beim Spaziergang durch den Wald, ich habe den Wind wahrgenommen, der mir um die Nase wehte, das platschen in den Pfützen wenn ich dort durch stapfte.... Und ich habe gemerkt, wie gut es mir tut, mal bewusst, alles wahrzunehmen! Ich habe Dinge gesehen, die ich seit Jahren schon nicht mehr gesehen habe! Klar, weiß ich, wie bunte Blätter an den Bäumen ausschauen - deswegen habe ich wahrscheinlich nicht mehr hingeguckt - kannte ich schon.... dabei habe ich jetzt soviel Neues und Tolles gesehen.... ich möchte auch 2019 weiter achtsam bleiben! Es ist wie Urlaub vom Alltag wenn ich meinen Geist aussende um alles um mich herum aufzunehmen! 
 
4.) Positive Gedanken!
Was habe ich alles gelesen in diesem Jahr! Und immer wieder bin ich über die Kraft der Gedanken gestolpert! Und da ich es einfach satt hatte, schlechte Laune zu haben, habe ich beschlossen, mit gute Gedanken zu machen! Oft sehen wir das Gute nämlich gar nicht mehr! Wer kennt das nicht, das morgens der Wecker geht und man denkt: so ein Mist, gleich muss ich das und jenes erledigen, habe dieses eine Meeting/ Gespräch zu dem ich überhaupt keine Lust habe und muss außerdem noch xy erledigen.... Da hat man doch schon gar keine Lust mehr aufzustehen.... Ich überlege in solchen Situationen, was ich mir Gutes tun könne wenn alles geschafft ist. Und dann freue ich mich ganz bewußt darauf. Wenn es ganz streßig ist, denke ich an meine letzten Achtsamkeitserlebnisse! Das tolle Baumwipfelmuster, oder einfach dieser kleine süße Hundehintern der beim Spaziergang vor mir herwackelt. Dann muss ich lächeln.....und schwups, ist die schlechte Stimmung verschwunden....

DIE SCHMETTERLINGE ÜBER MIR....
Die verführerischen Schmetterlinge über mir säuseln nun: "Kati, das sind tolle Vorsätze.....  Du wirst alle Aufgaben in den Hundespaziergang legen können -  Also: aus 4 mach 1!" 
Ich bin sehr stolz auf mich! Ich liebe Produktivität!! Der Plan ist genial: während des Hundespazierganges werde ich achtsam auf meine Atmung achten und mir dabei sagen, wie toll das Leben ist! Ich komprimiere - multitaske - ist ein alter Trick von mir  - ich bin Profi darin!!  Und für den Anfang sollte ich mir das durchgehen lassen.... 

Haha, ihr seht - so einfach wie sie sich anhören sind meine Vorsätze nicht! Aber ich bin fest davon überzeugt, dass ich die Stimme in meinem Körper nicht mehr überhören werde *betendindenhimmelschau

Für das neue Jahr 2019 wünsche ich Euch allen laute Stimmen in Eurem Körper, auf das wir alle gut auf uns aufpassen!
 




NACHTRAG
Auf ganz vieles was mich sonst noch bewegt hat in diesem Jahr, bin ich an dieser Stelle nicht eingegangen - ich denke, es ist eh' schon eine Menge zu lesen... Doch kann in diesem Jahresabschluß nicht meine liebe Freundin Bärbel fehlen, die im Februar, für uns alle unfassbar, plötzlich und unerwartet verstorben ist. Die Pastorin sprach bei der Trauerfeier vom Regenbogen, als Zeichen des Bundes zwischen allen Lebenden und dem Himmel. Ich fand das schön - und jedesmal, wenn ich einen Regenbogen sehe, grüße ich Bärbel und meine Lieben, die verstorben sind und fühle mich ein Stück nah...


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