Mittwoch, 26. September 2012

Mein bislang gehütetes Geheimnis!

Poetischer: Die Gemeinsamkeit von Rock‘n Roll und Spitzenhäubchen ist eine Backmischung!
Worin meine Abneigung zum backen begründet liegt, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Liegt es daran, dass ich eher auf Schmorbraten mit Knödeln statt auf Tortenschlacht und Gebäckteilchen stehe, oder daran, dass eine wirklich wahre Torte ein diszipliniertes Einhalten der Rezeptvorgaben verlangt, das sie ebenso schön wie arrogant daherkommt und nicht das kleinste Abzweigen süßer Köstlichkeiten verzeiht? (Zum diszipliniertem Kochen habe ich mich hier bereits geäußert.) Was lob‘ ich mir da meine Schmorgerichte, die - gemütlich in sich selbst ruhend - geradezu brutschelnd danach schnurrend schon mal ein Löffelchen Sud zu probieren, an der Rückseite einen Hauch Kruste abzuziehen oder aber die mitgegarte Knoblauchzähe auszulutschen. Das ich in meinen Träumen auch eher undiszipliniert mit Champagner in der Hand durch die Küche rocke, statt im weißen Schürzchen mit Häubchen zu BACKEN halte ich persönlich auch für viel cooler. Weniger cool bin ich mir vorgekommen, als Eva-Lotta mich gnadenlos vor meinen Stammgästen bloßgestellt hat: „Wenn Mama mir eine Freude machen möchte, kaufen wir immer diese Fertigmischung!“ plauderte sie anläßlich eines Geburtstages.  Ooohhh weia – wie hätte ich mich da noch erklären können? Ich, der Frische-Fanatiker, ich kann mich bei allem was mir heilig ist nicht daran erinnern, das letzte Mal eine Fertigmischung für irgendetwas gekauft zu haben. Naja, außer für: KUCHEN! Aber ist das meine Schuld? Wenn ich keine Tochter hätte, hätte ich auch niemals eine Fertig-Backmischung gekauft! Keine Tochter – keinen Kuchen! Ohne Tochter hätte ich überhaupt im Traum nicht daran gedacht, zu backen! Niemals! Nichts! Auch keine Waffeln. Und kein Weihnachtsgebäck! Und erst Recht keine Kuchen!! Aber ein Kind braucht zum Geburtstag einen Kuchen. Also backe ich seit 8 Jahren einmal im Jahr Kuchen. Und zwar den Zitronenkuchen von Dr. Oetker. Einmal hab ich zweimal einen Kuchen gebacken. Zum Kindergartenfest wollte ich wie alle anderen Mütter sein. Leider wurde die Glasur auf dem Kuchen so flüssig, das alle Smarties runterrutschten und auf dem Kuchen lustige Farbspuren hinterließen. Mein kleiner Kuchen sah neben diesen riesigen Torten mit hübschen Verzierungen noch kleiner aus als er eh schon war. Aber die Kinder stürzten sich begeistert drauf, pulten die Smarties aus ihrem weichem Zuckerbett und fingen an, sich diese im Gesicht zu verreiben. Das wäre ganz nett gewesen, der kleine Kuchen war wirklich ein Hit. Wenn nicht eine Tortenmutter lauthals geschimpft hätte über diesen schmierigen kleinen Kuchen, das sei ja unmöglich, so einen Matschhaufen zu einem Kindergartenbasar zu machen. Hmmm. Ich wars! Jetzt sag ich es! Ich war die Matschhaufenmutter die diesen kleinen Kuchen mitgebracht hat! Aber was ich noch loswerden möchte: Evi hat mir mitgeholfen – das soll keine Entschuldigung sein. Aber wir hatten verdammt noch mal viel Spaß bei unserem Matschhaufenkuchenbacken. Naja. Wie auch immer. Evi muss das auch gehört haben. Sie hat sich von da an als Geburtstagsmitbringsel für den Kindergarten immer Nudelsalat von mir gewünscht. Noch nicht mal Muffins. Nur noch Salat. Unser Backmischungszitronenkuchen bleibt also nur noch in unseren eigenen vier Wänden, als interner Familiengeburtstagskuchen sozusagen.
Dies war mein vierter Kuchen!
Zwei – drei Jahr später, dachte ich, Evi hätte das Matschkuchentrauma überwunden und wollte noch mal „wie alle normalen Mütter“ mit meiner Tochter gemeinsam backen. Anläßlich Christians Geburtstages kaufte ich : natürlich: eine Zitronenkuchenbackmischung von Dr. Oetker. Als ich zu Hause dann laut darüber nachdachte (es war nur gedacht!), ob ich mangels eines Pfundes Butter ebendiese durch einen ordentlichem Schuss guten Olivenöles ersetzen könne, packte Evi ziemlich energisch die Backmischung zur Seite und machte den Vorschlag, wir sollen den Papa am nächsten Morgen doch einfach mit einem ordentlichen Omlett beglücken! Dafür hatte ich alles da! Frische Pfifferlinge, Kräuter aus dem Topf, Schinkenwürfel, Zwiebelchen – es war ein wahrlich köstliches Geburtstagsfrühstück!
Können diese Augen lügen??
Also, liebe Leute, könnt ihr Euch vorstellen, dass ICH, die Backpulver nur zur Bekämpfung gegen Ameisen im Hause hat, freiwillig buk??!! Es hatte sich privat bei uns netter Besuch angemeldet und ziemlich schnell stand meine Vorspeise und der Hauptgang. Ich wollte diese zweifelsohne grandiosen Geschmackserlebnisse nicht durch ein minderwertiges Dessert schmälern und war auf der Suche nach einem gelingsicherem Rezept, welches zur Jahreszeit und zum Gesamtbild paßte, mir wirklich nicht viel meiner kostbaren Zeit klaute und gut vorzubereiten sei. Und dann habe ich es gefunden: das ultimativ-schnell-lecker-gelingsichere Zwetschgen-oder sonst-was-Crumble-Rezept!  Und Christian meinte, es hat geschmeckt! Naja, Evi nicht, vielleicht lag es am Chilli, welches ich unter die Streusel mischte. Aber das könnt ihr ja weglassen! Ansonsten kann ich es sehr empfehlen:
Der ultimativ-gelingsichere-gut-vorzubereitende-Zwetschgen-Zimt-Crumble (mit Raz-el-Hanout)
Zutaten:
Nehmt eine Tarteform, soviel Zwetschgen, wie – in Spalten geschnitten - da reinpassen und:  120 Gramm weiche Butter, 100 Gramm Zucker (ich hab braunen genommen), 150 Gramm Mehl, 50 Gramm gehackte Mandeln, 1 Teelöffelspitze Zimt – den habe ich ersatzlos gestrichen und durch Raz-el-Hanout ersetzt. Diese leicht pfeffrige, ein wenig scharfe Note mit Jasmin und Vanilletönen schien mir gut  und war es auch. Wenn ihr ein wenig weniger experimentierfreudig seid, verwendet einfach Zimt. Ich seh‘ es ja nicht! Lecker ist es bestimmt auch!

Backofen auf Ober-Unterhitze 200 Grad vorheizen, Zwetschgen gewaschen in Spalten schneiden und in die gebutterte Tarteform geben. Alles andere von der Küchenmaschine zu einem krümeligen Teig verkneten lassen (ich lasse backenJ ). Die Masse als Streusel auf den Früchten verteilen.

Alles ca. 25 Minuten im Ofen backen bis die Zwetschgen weich und saftig, die Streusel goldbraun sind. Am besten die komplette Form mit einer Schüssel Schlagrahm in die Tischmitte stellen und verzehren! Wir haben solange gegessen bis die Bäuche übervoll und die Tarteform leer war!

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