Donnerstag, 19. November 2015

Meine Selbstzweifel in der Krise...



Liebe Blogleser, liebe facebook-Freunde,

vielleicht habt ihr es schon bemerkt. Ich habe mich mit meinen Rezepten und Essensempfehlungen in den letzten Wochen ein wenig zurückgehalten. Zu sehr beschäftigen mich die Dinge, die zur Zeit in unserem Land und in unserer Welt vorgehen. Ich finde es dramatisch. Ich bin bedrückt, teilweise entsetzt, ich bin unendlich traurig. Wie kann ich in dieser Zeit an Lachscarpaccio und Trüffelsauce denken? Ganz ehrlich: ich kann es kaum! Geschäftlich gesehen ist Weihnachten für mich und mein Team überlebenswichtig. Durch das Geld welches wir  im Weihnachtsgeschäft erarbeiten, kann ich meine Leute und meine Miete auch in schlechten Zeiten zuverlässig bezahlen. Persönlich war Weihnachten für mich seit Kindheitsgedenken mein  Lieblingsfest. Meine Mutter hat alles dafür gegeben, uns Kindern eine besinnliche und magische Weihnachtszeit zu bescheren. Heute bin ich selbst Mama und versuche es meiner Tochter und meiner Familie ebenso schön zu machen. Das ist für mich keine Arbeit, das kommt von Herzen. Auf einmal ist alles anders! Nicht nur, dass in diesem Jahr mein erstes Weihnachten in meinem Leben ohne meine verstorbene Tante stattfinden wird – auch bin ich im Kopf wie blockiert, versteinert durch die dramatischen Ereignisse die sich in Syrien, Frankreich, Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt überschlagen. 

Normalerweise plane ich das Festmenü um diese Jahreszeit...weiter hier...


; ich probiere neue Saucen zur Ente und Gans, in der Küche duftet es nach Braten und ich mische neue Gewürze für das schönste Essen im Jahr! Mit meiner Tochter backe ich Plätzchen und baue Lebkuchenhäuser.  Nichts davon habe ich bislang gemacht. Es mag bei mir keine Vorweihnachtszeitstimmung aufkommen. Wie kann ich glücklich Weihnachten feiern, wenn Hunderttausende alles verloren haben und mit kaum etwas am Laib vor Krieg, Folter und Hunger flüchten? Wie kann ich unter dem Weihnachtsbaum sitzen und Lieder singen, wenn ein 17 Monate alter Sohn bei den Attentaten in Paris seine Mutter verloren hat? Er wird die Stimme seiner Mutter nie mehr hören! Ich weiß es gerade nicht. Aber müssen wir nicht weitermachen? Was wäre die Alternative. Nicht zu feiern? Nicht mehr gut zu essen? Darf ich mich nicht mehr mit schönen Dingen beschäftigen? 

Ich fühle mich schlecht. Und ich würde am liebsten mehr helfen. Aber was soll ich tun? Ich habe Verantwortung. Für meine Tochter und für mein Team. Ich muss weitermachen. Und ich muss wieder einen kühlen Kopf bekommen, um wieder besser zu werden. Bei aller Traurigkeit die in mir steckt. Ich wünsche mir für mich, dass ich wieder zur Freude zurückfinden kann – ohne schlechtes Gewissen. Ich nehme mir vor, weiterhin Energie in Hilfsprojekte zu stecken, so wie es mir möglich ist. Und ich werde meine Tochter weiterhin verantwortungsvoll erziehen und sie für die Thematik sensibilisieren. Denn ich glaube, dass viel Angst und Hetze aus Unwissenheit entsteht. Ich bete für eine bessere Welt. Und ich höre auf mein Herz und versuche den Menschen mit Liebe zu begegnen. Das alles  steht in meiner Macht. Ich bin keine Krankenschwester, keine Ärztin und ich habe nichts über Katastrophenschutz gelernt. Ich kann nur kochen. Und ich kann es meinen Gästen schön machen. Wer weiß, vielleicht ist der nächste Gast, ein Lehrer im Ruhestand, der den Menschen in Massen beim Deutschlernen hilft. Vielleicht bespricht er mit seinem ehemaligen Kollegen bei uns neue Arbeitsblätter, die das Lernen vereinfachen?  Vielleicht kann ich der älteren Dame, die ihren demenzkranken Mann jeden Tag im Heim besucht, mit meiner Suppe ein kleines Stückchen Kraft geben, für das, was noch kommt?  Ich stelle mir vor, dass ich mit meinem Essen jemandem den Tag versüße! Ich werde weiter das machen, was ich gut kann. Weil das, das einzig sinnvolle ist. Und ich nehme mir fest vor: morgen werde ich eine neue Sauce ausprobieren. Und wenn sie gut ist, poste ich Euch das Rezept! 

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